Standesamtlich heiraten

Standesamtliche Trauung

Ein Behördengang, das passt für viele so gar nicht zu ihrer Vorstellung von einer romantischen Trauung. Dabei bieten viele Standesämter längst an, die Zeremonie fernab von tristen Büros abzuhalten.

Standesamt

Ein Behördengang, das passt für viele so gar nicht zu ihrer Vorstellung von einer romantischen Trauung. Dabei bieten viele Standesämter längst an, die Zeremonie fernab von tristen Büros abzuhalten. Welche Dokumente muss ich vorher bereithalten? Brauche ich Trauzeugen? Und ist der Gang zum Standesamt überhaupt noch Pflicht?

Herkunft des Wortes „Trauung“

Das Wort Trauung stammt nach dem deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm von Treue und Vertrauen. Schon früh stand es nicht nur für das Vertrauen zwischen Braut und Bräutigam, sondern auch für die Zeremonie sowie den rechtlichen Akt der Eheschließung. „Nach der Reformation wurde die Ehe von protestantischen und weltlichen Obrigkeiten, dann auch von der katholischen Kirche als Schwelle für die Ausübung legitimer Sexualität eingeführt.

Das Konzil von Trient führte die Trauung für die katholische Kirche als segensstiftendes Sakrament ein“, heißt es auf der Internet-Seite der Evangelisch-Lutherischen Kirche Hamburg. Eine formgültige Ehe wurde damals übrigens nicht nur durch den Ehevertrag (contractio), sondern auch durch den Vollzug der Ehe (consummatio) geschlossen. 

Hochzeit ohne Standesamt?

Von vielen unbemerkt, wurde Anfang 2009 das Personenstandsgesetz geändert: Der bis dato traditionelle Vorrang der zivilen vor der kirchlichen Ehe wurde aufgehoben. Damit soll es auch ohne vorherigen Gang zum Standesamt möglich sein, eine kirchlich besiegelte Ehe einzugehen. Doch wird dies auch praktiziert? Von Seiten des Gesetzgebers begeht der Priester keine Ordnungswidrigkeit, wenn er ein Paar ohne Nachweis der vorher geschlossenen Zivilehe traut. Die evangelische Kirche hat jedoch beschlossen, ihren Segen weiterhin an die rechtsgültige Eheschließung beim Standesamt zu knüpfen.

Unter dem Punkt „Trauung“ ist auf der Internet-Seite der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland entsprechend auch zu lesen: „Die kirchliche Trauung hat aufgrund der Trennung von Kirche und Staat in Deutschland, Österreich, Frankreich und bestimmten anderen Ländern lediglich kirchenrechtliche Relevanz, sie bedarf der standesamtlichen Trauung als Voraussetzung.“ Wer vor dem Standesamt „Ja“ sage, habe somit den Segen des Staates, des Bürgerlichen Gesetzbuches und des Finanzamtes.

Bei der kirchlichen Trauung gehe es darum, den Segen Gottes zu bekommen. In der katholischen Kirche begründet die kirchliche Trauung hingegen das Sakrament der kirchenrechtlichen Ehe. Trotzdem wird konstatiert: „Seit 2009 ist auch eine rein kirchliche Trauung gestattet. Diese ist allerdings zivilrechtlich nicht anerkannt und bedarf der Genehmigung durch den zuständigen Bischof.“

Rechtliche Konsequenzen

Wer ohne Gang zum Standesamt heiraten möchte, sollte sich dies vorher gut überlegen. Denn wer die zivilrechtliche Eheschließung umgeht, verzichtet damit auch auf rechtliche Absicherungsformen wie Unterhalts- und Erbansprüche. Auch auf das Sorgerecht für Kinder hat es Auswirkungen, wenn die Ehe nicht staatlich anerkannt ist. Sinn kann eine nur-kirchliche Trauung machen, wenn einer der Partner bereits verwitwet ist und die Ansprüche aus der Hinterbliebenenversorgung nicht verlieren möchte. Bei einer neuen Zivilehe verfallen auch eventuelle Unterhaltsansprüche nach einer Scheidung.  

Für standesamtliche Trauung werden folgende Unterlagen benötigt:

  • Gültiger Personalausweis oder Reisepass
  • Nachweis der standesamtlichen Eheschließung
  • Aufenthalts-/Meldebescheinigung 
  • Beglaubigte Abschrift aus dem Familienbuch. (Die Abschrift muss aktuell sein (nicht älter als 6 Monate). Man erhält sie beim Standesamt des Wohnorts der eigenen Eltern. Sind diese Eltern geschieden, wird das Familienbuch entweder am letzten gemeinsamen Wohnsitz oder am Wohnsitz des Vaters (zum Zeitpunkt der Scheidung) geführt. Haben die  Eltern vor dem 01. Januar 1958 (Westdeutschland) oder dem 03.10.1990 (Ostdeutschland) geheiratet, benötigt man eine Abstammungsurkunde) 

Unter bestimmten Umständen werden noch weitere Unterlagen benötigt:

  • Falls ein Partner schon verheiratet war, Scheidungsurkunde bzw. Sterbeurkunde des vorherigen Ehepartner. 
  • Falls ein Partner ein Kind mit in die Ehe bringt, benötigt man Abstammungsurkunde und Sorgerechtsbescheid. 
  • Falls schon gemeinsame Kinder vorhanden sind, ist die Abstammungsurkunde und Vaterschaftsanerkennung erforderlich. 
  • Falls ein akademischer Grad eingetragen werden soll (z. B. Hochschuldiplom oder Doktor) muss die Diplom- bzw. Promotionsurkunde vorliegen. 
  • Trauzeugen werden nicht benötigt.

Anmeldung zur Begründung einer Lebenspartnerschaft

Auch bei gleichgeschlechtlichen Paaren gilt: Einer der Partner muss im Bezirk gemeldet sein. Eine Terminabsprache wird erbeten, die nötigen Unterlagen können telefonisch erfragt werden. Bei unterschiedlichen Nationalitäten ist persönliches Erscheinen erforderlich. Was die Gebühren angeht, so ist mit 40-80 Euro (zzgl. Urkunden u.a.)  zu rechnen.

Kosten einer standesamtlichen Trauung

Die „Prüfung der Ehefähigkeit“ ist zunächst einmal mit folgenden Kosten verbunden: Die „Anmeldung der Eheschließung“ sowie die „Ausstellung des Ehefähigkeitszeugnisses“ werden in Offenburg mit je 40 Euro berechnet. Hinzu kommen Gebühren für die Ausstellung von Dokumenten oder etwa für die Bescheinigung einer Namensänderung.  Mit durchschnittlich 100 Euro sollte schon gerechnet werden. Zusätzliche Kosten entstehen überdies, wenn ausländisches Recht zu beachten ist.

Welchen Namen nehme ich an?

Will ich meinen Geburtsnamen behalten? Ist der Name meines Partners klangvoller? Oder doch lieber ein Doppelname als Kompromiss? Wegen der Wahl des Nachnamens habe sich schon viele Heiratswillige in die Wolle bekommen. Grundsätzlich ist das Namensrecht im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt (§1355). Zum Thema Ehename heißt es dort: „Die Ehegatten sollen einen gemeinsamen Familiennamen (Ehenamen) bestimmen.

Die Ehegatten führen den von ihnen bestimmten Ehenamen. Bestimmen die Ehegatten keinen Ehenamen, so führen sie ihren zur Zeit der Eheschließung geführten Namen auch nach der Eheschließung.“ In den folgenden Absätzen ist auch geregelt, wie bei Doppelnamen oder im Falle einer Scheidung oder eines Todesfalles zu verfahren ist. Immer beliebter wird tatsächlich die Variante, nach der jeder seinen eigenen Namen behält – Streitpunkt könnte hier wiederum die Entscheidung sein, welchen Familiennamen die gemeinsamen Kinder tragen sollen.

Sind Trauzeugen Pflicht?

Auch dieser Punkt ist gesetzlich geregelt: Die standesamtliche Trauung kann in Gegenwart von einem oder zwei Zeugen erfolgen – die Eheleute entscheiden selbst, ob sie dies wünschen oder nicht (BGB §1312).  Dasselbe gilt für die Begründung einer Lebenspartnerschaft (LpartG §1). Da die Wahl der Trauzeugen immer etwas sehr Persönliches und ein großer Freundschaftsbeweis ist, mögen viele nicht auf diesen Beistand verzichten. Gerade auch diejenigen, die gern mit einem Junggesellenabschied überrascht werden wollen.

Unbedingt daran denken: die Trauzeugen müssen beim Standesamt ihren Personalausweis oder Reisepass dabei haben. Dann dürfen sie auch ihre Unterschrift auf der Heiratsurkunde leisten. Für eine Trauung in der katholischen Kirche sind übrigens zwei Trauzeugen Pflicht.   Deren Konfession spielt keine Rolle.  

Ablauf einer standesamtlichen Trauung

Besonders lang dauert diese Form der Eheschließung nicht, in den meisten Fällen nur etwa eine halbe Stunde. Nach der Feststellung der Personalien von Brautpaar und Trauzeugen (gültigen Ausweis nicht vergessen!), folgen Ansprache und Eheschließungsformel, d.h. die Frage des Standesbeamten oder der -beamtin, ob die Brautleute die Ehe miteinander eingehen wollen.  

Der Ringwechsel kann sowohl bei der standesamtliche Trauung als auch im Gottesdienst stattfinden – die Evangelische Kirche rät den Eheleute, sich für eine Möglichkeit zu entscheiden. Die katholische Kirche sieht den Ringwechsel erst im Gottesdienst vor. 

Am Ende wird der Beamte bzw. die Beamtin den Ehebucheintrag vorlesen  und diesen unterzeichnen. Auch Trauzeugen und Brautpaar müssen unterschreiben. Daran denken: Nicht aus Versehen den gerade erst abgelegten Namen benutzen! Vielleicht vorher schon einmal üben.

Autor: Bild: Michael Bode
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