Römisch-katholisch heiraten

Römisch katholisch heiraten

Das Aufgebot bestellen

Ab dem 13. Jahrhundert war es hierzulande nötig, das Aufgebot zu bestellen, das heißt, die Anmeldung zu Eheschließung eine Woche lang öffentlich bekannt zu geben. Dies hatte den Sinn, Hinderungsgründe wie eine bereits bestehende Ehe, herauszufinden – oder Ehen kopflos verliebter Minderjähriger zu verhindern.

Nach weltweitem katholischen Kirchenrecht ist ein Mädchen übrigens mit 14 Jahren ehefähig – da sich das Kirchenrecht jedoch an das jeweils gültige Zivilrecht anpasst, kommt das hierzulande nicht vor. 

Seit 1998 werden die Ehehinderungsgründe vom Standesamt überprüft und dort wird üblicherweise auch gefragt, ob das Brautpaar eine Veröffentlichung wünscht. Die kirchliche Gemeinde wird jedoch nach wie vor über die geplante Hochzeit informiert, und zwar im Sonntagsgottesdienst vor der Trauung. Manche Gemeinden machen auch noch einen Aushang.

Das Ehevorbereitungsgespräch

Bevor es soweit kommt, muss ein Ehevorbereitungsgespräch stattfinden. Das kann auch bis zum zweitägigen Eheseminar gehen. Viele Paare haben ein bisschen Angst davor, aber dieses Gespräch ist keine Abiturprüfung. Vielmehr wird nach den grundsätzlichen Ambitionen für die Eheschließung gefragt. Frühestes sechs Monate vor der Hochzeit findet das Gespräch statt, das unverzichtbar und wesentlich für die Eheschließung ist – denn das Protokoll über dieses Gespräch bildet die Grundlage, der durch das Ja-Wort in der Kirche gültig wird. Normalerweise hat solch ein Gespräch zwei Teile: im ersten Teil wird das Ehevorbereitungsprotokoll ausgefüllt, im zweiten Teil wird über Ablauf und Gestaltung des Gottesdienstes gesprochen. Manche Pfarrer laden dazu ins Pfarrhaus ein, andere kommen zu den Verliebten nach Hause. Der Ablauf ist grundsätzlich festgelegt, das Protokoll in ganz Deutschland einheitlich.

Zuerst werden die Personalien eingetragen, zu denen auch der zukünftige Nachname gehört. Bei dem Gespräch sollte man sich also bereits darüber einig geworden sein. Der Tag der Taufe wie auch der Tag der Firmung werden ebenfalls eingetragen. Nachdem Ehehindernisse nicht festgestellt oder aus dem Weg geräumt worden sind, fragt der Priester die Heiratswilligen: "Wollt Ihr eine christliche Ehe eingehen?" Die vier Eheeigenschaften werden im Anschluss gleich genannt: erstens die Einheit - Das bedeutet den Willen zur Treue, also eben nur einen Partner zu ehelichen. Zweitens die Unauflöslichkeit – hier ist die Dauer der Ehe bis zum Tode gemeint. Drittens die Hinordnung auf beiderseitiges Wohl – das betont, dass man nicht aus wirtschaftlichen Gründen heiratet sondern aus Liebe, so dass es dem anderen während der gesamten Zeit der Ehe gut geht. Die Bejahung der Elternschaft ist die vierte Eheeigenschaft. Hier erklären Mann und Frau, dass sie bereit sind, Kinder großzuziehen.

Für die katholische Kirche gilt die Ehe als eines der sieben Sakramente. Als Sakrament bezeichnet man in der christlichen Theologie einen Ritus, der als sichtbares Zeichen die unsichtbare Wirklichkeit Gottes vergegenwärtigt. Die weiteren Sakramente sind Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte, Krankensalbung und Priesterweihe – sie werden vom Geistlichen (Priester oder Bischof), gespendet. Das Sakrament der Ehe sprechen sich die Brautleute selbst unter Mitwirkung eines Geistlichen zu.

In Katholischen Familienbildungsstätten kann das Paar auch Ehevorbereitungskurse belegen.

Verschiedene Konfession, ausgetreten, geschieden, homosexuell – ist eine katholische Hochzeit dann möglich?

Gesetzt den Fall, der Mann ist evangelisch und die Frau katholisch, kann man katholisch heiraten – und dabei versprechen, die Kinder katholisch taufen zu lassen und im katholischen Glauben zu erziehen. Eine „ökumenische“ Trauung ist ebenfalls möglich, dabei wird der Pastor der jeweils anderen Konfession an der Trauzeremonie beteiligt.

Sogar wenn eine katholische Frau einen Buddhisten ehelichen möchte, kann das Paar in einer katholischen Kirche heiraten. Allerdings benötigt die Frau dazu die Erlaubnis ihrer Kirche und muss sich bemühen, ihrem Glauben treu zu bleiben und ihre Kinder katholisch zu taufen und zu erziehen. „Es gibt jeweils eigene Gottesdienstordnungen für die Hochzeit mit einem Partner einer anderen christlichen Konfession wie auch mit einem Partner einer ganz anderen Religion“, sagt Pfarrer Christoph Giering, Leiter der Pfarrei St. Ansgar.

Möchte eine Frau einen geschiedenen Mann in einer katholischen Kirche heiraten, geht das normalerweise nicht, außer es findet sich ein Grund, dessen Ehe annullieren zu lassen.

Eine Ehe kann annulliert werden, wenn zum Zeitpunkt der Eheschließung der Ehewille oder die Ehefähigkeit nicht vorlag – und zwar die geistige, körperliche oder psychische Ehefähigkeit. Dann kann die Ehe annulliert werden und der Partner ist frei zu heiraten.

Gleichgeschlechtliche Paare dürfen nicht römisch-katholisch heiraten.

Ist einer der beiden zukünftigen Eheleute vor Jahren aus der Kirche ausgetreten, kann er dennoch kirchlich heiraten, denn die Taufe ist auch noch nach Austritt gültig. Bei der Hochzeit gelten dann aber die gleichen Regeln wie bei einer konfessionsverschiedenen Ehe: Der katholische Partner verspricht, die Kinder taufen zu lassen und in seinem Glauben zu erziehen. 

In manchen Fällen ist eine Genehmigung des Ortsbischofes einzuholen, wenn nicht beide Mitglieder der katholischen Kirche sind.

Wortgottesdienst oder Eucharistiefeier – der Ablauf folgt genauen Regeln

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, römisch-katholisch zu heiraten: als Wortgottesdienst oder als Eucharistiefeier. Das kann das Paar entscheiden, ebenso welche Lieder gesungen werden und wer die Fürbitten spricht. Der Ablauf der jeweiligen Variante folgt jedoch genauen Vorgaben. Die Mehrzahl der Paare zieht einen Wortgottesdienst vor.

Bei einer Hochzeit in einer katholischen Kirche kann der Vermählungsspruch von Braut und Bräutigam gesprochen werden oder sie werden gefragt und geben nur ihr Jawort.

Der Text ist immer derselbe:

Name der Braut / des Bräutigams,
vor Gottes Angesicht nehme ich dich an
als meine Frau / meinen Mann.
Ich verspreche dir die Treue
in guten und bösen Tagen,
in Gesundheit und Krankheit,
bis der Tod uns scheidet.
Ich will dich lieben, achten und ehren
alle Tage meines Lebens. 

Hier wird der Ring an den Finger des Partners gesteckt, danach kommen noch die Worte:

Trag diesen Ring als Zeichen unsrer Liebe und Treue:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. 

Woanders heiraten

Möchten Katholiken kirchlich heiraten, sprechen sie dazu mit dem zuständigen Priester ihrer Gemeinde. Wollen sie nämlich in einer anderen als der Wohnsitzgemeinde gehörenden Kirche vermählt werden, benötigen sie die Erlaubnis des Priesters, der hier eine Lizenz erteilen muss Auch wenn die standesamtliche Eheschließung gesetzlich vorgeschrieben ist, gilt die Ehe doch erst mit dem Segen des Pfarrers als besiegelt, und dazu sind zwei Trauzeugen Pflicht. Die Ehe wird im Kirchenbuch registriert.

Möchte ein katholischer Partner in einer evangelischen Kirche heiraten, so muss der eigentlich zuständige Pfarrer beim zuständigen Bischof einen Antrag stellen und erhält daraufhin die Genehmigung dazu.

Für die katholische Trauung werden folgende Unterlagen benötigt:

  • Personalausweis oder Reisepass
  • Auszug aus dem Taufbuch
  • Bescheinigung über Anmeldung zur standesamtlichen Trauung
  • Unterschriebenes Eheprotokoll
  • Traulizenz/Entlass-Schein zur Vorlage bei einem fremden Pfarrer außerhalb der Gemeinde
  • Zwei Trauzeugen

Ist einer der beiden zukünftigen Ehepartner nicht aus Deutschland oder adoptiert, sind weitere Papiere und Nachweise nötig, die das Standesamt erklärt.

Autor: shutterstock.com | MNStudio
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