Evangelisch heiraten

Evangelisch heiraten

Auch die evangelische Kirche sieht die Ehe als eine lebenslange Verbindung von Mann und Frau an, die während eines Traugottesdienstes besiegelt wird und die Gottes Segen bekommt. 

Sind beide evangelisch getauft und konfirmiert, findet ein Traugottesdienst statt, der wie bei der katholischen Kirche genauen Abläufen folgt. Die Gemeinde wird über die geplante Hochzeit im Sonntagsgottesdienst informiert. Die Pastorin oder der Pastor führt mit dem Paar ein Traugespräch, in dem das Paar einen Bibelspruch aussucht, der maßgeblich die Trauzeremonie bestimmt. Denn das Paar steht bei der Trauzeremonie im Mittelpunkt, über sein Leben und seinen Weg wird gesprochen und der Trauspruch wird beim zukünftigen gemeinsamen Weg eine Rolle spielen. Er wird auch in der Urkunde vermerkt, denn es ist der persönliche Bibelvers für die Ehe.

„Ein Ehevorbereitungsgespräch samt Protokoll gibt es nicht, seit Frühling 2013 jedoch führen wir Trauseminare für die Brautpaare durch, die in unserer Kirche heiraten möchten“, sagt Julia Atze, Pastorin in der Hauptkirche St.Michaelis. „Denn natürlich haben alle viele, viele Fragen, was Ablauf, Trauspruch, Blumen, Lieder und Segen anbelangt“. Dieses Seminar findet direkt in der Kirche statt und wird sehr gut angenommen. 

Mögliche Trausprüche aus der Bibel sind zum Beispiel:

Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung. (Philipper 1,9).

Selig sind, die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen. (Matthäus 5,9).

Hört mir zu, die ihr von mir getragen werdet von Mutterleibe an und vom Mutterschoße an mir aufgeladen seid: Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. (Jesaja 46,3-4).

Wer darf in einer evangelischen Kirche heiraten?

Beide Brautleute müssen volljährig, christlich getauft (einer von beiden evangelisch) und konfirmiert sein. Lässt sich jemand erst als Erwachsener taufen, so entfällt die Pflicht zur Konfirmation.

Heiratet ein evangelischer Christ einen Christen anderer Konfession, kann eine ökumenische Trauung gefeiert werden, in der Geistliche aus beiden Kirchen mitwirken.

Ist ein zukünftiger Ehepartner kein Mitglied einer christlichen Kirche, so kann in vielen Gemeinden ein „Gottesdienst anlässlich einer Eheschließung“ stattfinden. Dabei ist es egal, ob der Nicht-christliche Teil einer anderen Religion angehört oder konfessionslos ist.

Wichtig ist hierbei, dass der Christ seinen Glauben auch in Zukunft leben kann. 

Geschiedene dürfen erneut kirchlich getraut werden, „denn jeder hat die Chance auf einen Neubeginn“, sagt Julia Atze.

Gleichgeschlechtliche werden nicht in evangelischen Kirchen getraut, können aber in manchen Gemeinden eine Segnung erhalten.

Für die kirchliche Trauung in einer evangelischen Kirche benötigt man:

  • Kopien der Tauf- und Konfirmationsurkunden
  • Gegebenenfalls eine Dimissoriale der Kirchengemeinde, falls man in einer anderen Gemeinde heiraten möchte
  • Die Bescheinigung über die Eheschließung im Original

Halten christliche Ehen länger?

Hat ein laut gesprochenes Eheversprechen vor der ganzen Gemeinde so viel Kraft und Dauer, dass die Ehe dadurch länger hält? Laut einer Studie der Zeitschrift Focus sind kirchlich geschlossene Ehen deutlich länger haltbar als andere. Die Soziologen nennen als Hauptgrund, dass sich religiöse Paare aufgrund ihres gemeinsamen Glaubens viel seltener scheiden lassen. Weitere günstige Faktoren sind übrigens gleiches Milieu, gleiche Herkunftsregion, gemeinsame Kinder und gemeinsames Eigentum. Außerdem halten Ehen, die erst mit 30 Jahren geschlossen werden, länger, als wenn das Paar erst 20 Jahre alt ist.

Was ist der Unterschied zwischen Pastor, Pfarrer, Priester und Probst?

Priester gibt es in allen Religionen. Sie sind Mittler zwischen Himmel und Erde, sie segnen, sollen Unheil abwenden und Riten feiern. 

Der evangelische Pfarrer heißt in Norddeutschland Pastor. Das Wort bedeutet „Hirte“ und so leitet er oder sie zumeist eine Gemeinde. Ein evangelischer Pastor wird ordiniert, er darf z. B. predigen, taufen und das Abendmahl austeilen.

Ein Probst hingegen ist der Leiter eines Kirchenbezirkes in der evangelischen Kirche. 

Evangelischer Priester ist nach Luther jedes einzelne Mitglied der Gemeinde, denn jedes Mitglied hat priesterliche Aufgaben.

Die Katholische Kirche kennt neben diesem „Gemeinsamen Priestertum der Gläubigen“ aber noch das sakramentale „Weihepriestertum“. Im Gottesdienst steht der Priester stellvertretend für Christus der Gemeinde gegenüber. In etwas anderer Weise gilt das auch für den Diakon. 

Darum stellt bei der katholischen Trauung immer ein Geistlicher – Diakon oder Priester – vor der Gemeinde fest: „Im Namen Gottes und der Kirche bestätige ich den Bund, den Sie geschlossen haben. Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“

Katholische Priester werden - je nach Ihrem Auftrag – als Pfarrer, Pastor, Kaplan oder auch Propst angesprochen. Wer als Priester einem Orden angehört, wird Pater genannt und dabei meist beim Vornamen angesprochen.

Autor: shutterstock.com | Wedding photography
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