Die freie Trauung

Die freie Trauung

Es gibt Paare, denen die standardisierten Formeln der Standesbeamten absolut nicht gefallen, die aus der Kirche ausgetreten sind, verschiedenen Religionen angehören oder sich noch aus ganz anderen Gründen nur eine freie Trauung vorstellen können. Mittlerweile gibt es einige Experten für „Alternativhochzeiten“ (z.B. www.freie-theologen.de), mit denen nicht nur der Ort, sondern auch alle anderen Modalitäten der Zeremonie ganz individuell abgestimmt  werden können. Je nach Aufwand richtet sich auch die Höhe des Honorars. Natürlich drückt so eine freie Trauung nur die persönliche Bindung aus – rechtlich bindend ist sie nicht.

Vor ein paar Jahren kehrten eine Handvoll Theologen ihrer Kirche den Rücken und begannen, Paare „frei“ zu trauen. Diplomtheologin Jutta Hamm ist eine von ihnen. „Gut die Hälfte der Paare, die zu mir kommen, möchte christliche Symbolhandlungen bei ihrer Hochzeitszeremonie, aber keine Hochzeit als Gottesdienst“, sagt sie. „Da beten wir dann auch mal ein Vaterunser“. Die meisten sind ganz normale Paare, die gerne in Weiß heiraten wollen – und beinahe alle wünschen sich, dass der Vater die Braut nach vorne zu Jutta Hamm führt. Das „vorne“ kann überall sein, auch unter einem schönen, alten Baum oder am Strand. Sarah Connor und Marc Terenzi haben vor acht Jahren ihre eigene Hochzeit hierzulande als eine der ersten frei am Strand zelebriert und das Ganze als Reality Serie von Pro Sieben ausstrahlen lassen. So wurden freie Trauungen erstmals einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Ein Trend aus Hollywood

Jutta Hamm bespricht mit dem Paar jedes Detail ihrer Rede und sagt nie etwas Allgemeines über Liebe und Ehe. Oft werden Hintergrund und Kennenlernen in die Trauzeremonie eingebaut und dabei mit Symbolhandlungen zelebriert. „Kommt die Braut beispielsweise aus einem Ort an der Ostsee und der Bräutigam aus einem an der Nordsee, so sollen sie mir beide ein Glas heimatliches Meerwasser bringen. Das mische ich dann in einem schönen Gefäß. So wie dieses Wasser jetzt untrennbar miteinander verbunden ist, so untrennbar seid Ihr miteinander verbunden“. Das sei immer ein ergreifender Augenblicke, der vielen Gästen die Tränen in die Augen treibe. So eine Zeremonie ist viel persönlicher und näher als manch kirchliche Trauung, finden viele ihrer Paare.

Doch nicht nur „neue“ Paare vermählt sie, sondern auch „alte“, die ihr Eheversprechen erneuern möchten. Der Trend aus Hollywood etabliert sich immer mehr bei uns, sei es, weil die einige Jahre zuvor vorgenommene standesamtliche Trauung als zu nüchtern und emotionslos empfunden wurde, sei es, weil nach etlichen Jahren des Miteinanderlebens so manche Hürde gemeistert wurde und sich das Paar wieder gefunden hat. Und da wiegt ein öffentlich vor allen Gästen gesprochenes Liebesgeständnis doppelt und dreifach. Auch für Silberhochzeiten wird Jutta Hamm viel gebucht.

Freie Trauungen sind überall möglich – sogar im Hubschrauber

Volker Dymel kam durch seine Gospelchöre auf die Idee, freie Trauungen vorzunehmen. Mit dem Chor sang er auf vielen, vielen Hochzeiten und hörte dabei jedes Mal die Rede des Pfarrers oder Pastors. „Oft wollte das Paar eine fröhliche Feier mit glücklichen Gesichtern und war dann enttäuscht, weil ein so ernster und fast schon trauriger Gottesdienst abgehalten wurde“, sagt er. Denn ob die Zeremonie fröhlich wird, liegt allein in den Händen des Redners. Er traut seit sieben Jahren Paare, die nicht in der Kirche sind. Den Schwerpunkt seiner Rede legt er dabei auf die Lovestory, Rituale, Ringwechsel und Küsse werden mit eingebaut. Die Zeremonie findet dort statt, wo das Paar feiert – gerne auf einem Landgasthof oder einem Schlösschen. „Wir haben auch schon einmal in einer Reithalle gefeiert“, sagt Dymel. „Da kam das Paar dann hoch zu Ross eingeritten und hat sich auf seinen Pferden das Ja-Wort gegeben.“ Auch eine Piratenhochzeit hat er zelebriert. Die beiden Verliebten waren ausgesprochene Fans der „Fluch der Karibik“-Filme und haben in Wedel am Strand geheiratet, als Piraten gestylt. Die Gäste sollten natürlich auch im Piratenoutfit erscheinen.

Da Hochzeiten meist an einem Freitag oder einem Samstag zwischen April und September gefeiert werden, kommen nicht so viele mögliche Termine infrage. Volker Dymel rät deshalb, sich ein gutes Jahr vor der Trauung um einen Redner zu kümmern. „An Weihnachten und Sylvester werden viele Anträge gemacht. Der große Schwung an Anfragen kommt daraufhin regelmäßig im Januar. Danach sind viele Wunschtermine vergeben“.

Bei der Frage nach dem Ort der Zeremonie sind den persönlichen Wünschen keine Grenzen gesetzt. Ob klassisch in Hotel, Burg und Schlösschen oder aber am Strand, im Wald oder auf dem Wasser, eine freie Trauung ist selbst im Hubschrauber möglich. Im klassischen Bewirtungssektor muss man sich nur um Auswahl von Speisen und Getränken kümmern und darauf achten, dass der Raum auf die Anzahl der Gäste zugeschnitten ist. Alles andere kann man getrost dem normalerweise gut geschulten Personal überlassen. Traut man sich jedoch in wilder Natur, wird der Aufwand schon größer. Essen und Getränke müssen selbst herbeigeschafft werden, ebenso Tische, Stühle, Tischdekoration, Geschirr und Besteck. Eine Überdachung in Form stabiler Zelte sollte ebenso wenig vergessen werden wie Beleuchtung. Auch Musik spielt eine große Rolle. Wenn man nicht auf Sänger und Kerzen zurückgreift, benötigt man ein Stromaggregat. Um all diese Dinge an den Ort der Vermählung zu transportieren, ist ein kleinerer LKW nötig, und der muss den Ort auch erreichen können, ebenso wie die geladenen Gäste. Ist die Hochzeitsgesellschaft nicht so riesengroß, eignet sich vielleicht auch das Lieblingscafé.

Bildquelle: Golubovy