Was träge der Gatte zur Hochzeit?

Was träge der Gatte zur Hochzeit?

Braun ist das neue Schwarz beim Bräutigam. Der schwarze Anzug wird zwar immer noch getragen, aber nicht mehr ausschließlich.

Durchgesetzt haben sich dunkle, warme Brauntöne, die mit einer Braut im schneeweißen Hochzeitskleid wie auch einer in Champagner- oder Rosé-Tönen perfekt harmonieren. Auch dunkelgraue und steingraue Anzüge sind gerade en vogue. Ganz Mutige nehmen einen klassischen Anzug in blauer Jeansoptik oder einen karierten Retroanzug. Die Anzugwahl hängt auch davon ab, ob nur standesamtlich oder auch kirchlich geheiratet wird – ist die Hochzeitsgesellschaft konservativ oder wird der Bund fürs Leben eher eine fröhliche Feier im kleinen Kreis?

Lasst die Uniform im Schrank!

Anders als bei den Damen richtet sich das Augenmerk für die Bekleidung des Bräutigams nicht auf die Erscheinungen der europäischen Königshäuser – einfach deshalb, weil die Prinzen und Fürsten in ihrer Uniform heiraten, die der Normalsterbliche erstens nicht käuflich erwerben kann und die zweitens nicht besonders attraktiv aussieht. Manch Kapitän, Pilot oder Oberst heiratet in seiner Berufsuniform – aber ist eine Hochzeit ein berufliches Unterfangen? Dann schon lieber in Tracht, denn das kann durchaus charmant sein, wenn die Dame des Herzens ein seidenes Dirndl dazu trägt.

Die Korrekten tragen Cut, Frack oder Smoking

Wer es ganz korrekt mag, trägt morgens zur Trauung einen Cut und abends zur Feier Frack oder Smoking. Der Cut oder Cutaway ist sozusagen ein Frack für tagsüber, den der Zukünftige nach seiner Hochzeit auch noch beim Pferderennen tragen kann (in Ascot ist er sogar Pflicht!). Der Name stammt von einer englischen Reitjacke mit kurzen Schößen, die wie abgeschnitten wirkten („cut away“), und wurde erst um 1900 zum deutschen „Gehrock“. Dazu gehört ein weißes Kragenhemd mit silbergrauer Krawatte und am linken Revers eine rote oder weiße Nelke. Nach 18 Uhr ist der Cut allerdings verboten.

Der Frack dagegen ist der festliche Herrenanzug schlechthin (Einladung: white tie: mit weißer Schleife!) und muss sich etlichen, sehr strengen Regeln beugen: er ist immer schwarz, die Jacke immer einreihig, vorne taillenkurz, hinten mit Schwalbenschwänzen. Sie hat ein aufsteigendes Revers, das nicht geschlossen werden kann. Die Hose dazu hat an der Seitennaht doppelte Gallons, die Frackweste muss immer weiß sein, das Hemd eine gefältelte Brust haben. Dazu ist die Frackschleife aus weißem Baumwoll-Piquée Pflicht, statt der Armbanduhr eine goldene Taschenuhr und eigentlich auch Zylinder und Handschuhe – aber damit fühlen sich viele Männer wie auf einem Kostümball. Und nichts ist schlimmer als ein völlig verkrampfter Bräutigam, der vor lauter Etikette den schönsten Tag des Lebens nicht genießen kann.
Der Smoking wiederum ist ein klassischer einreihiger Sakko mit seidenbelegten Revers, der meist in schwarz oder sehr dunklem Blau gefertigt wird. Dazu bindet man die schwarze Schleife und trägt ein Smokinghemd: mit Klappmanschetten, verdeckter Knopfleiste und gefältelter Hemdbrust. Der Kummerbund (der sich übrigens vom indischen „kamarband“, einer Schärpe ableitet und nichts mit Kummer zu tun hat!) erhöht die Eleganz. Statt ihm ist auch die Smokingweste eine Alternative.
Den meisten Männern reicht für den großen Tag jedoch ein gut geschnittener, schmaler Anzug samt Weste (denn wer fährt schon ständig nach Ascot). Die Hose in schmaler Silhouette, das Jackett mit ein oder zwei Knöpfen. Die sanft schimmernden Stoffe für den Göttergatten sind in diesem Jahr zart gemustert, meliert, fein gestreift oder haben kaum sichtbare Ornamenten-Muster.

Die Braut gibt den Ton an

Wie auch immer die Feier geplant wird – der Bräutigam muss sich in Farbwahl und Stil nach der Braut richten. Vorsichtige Fragen an den besten Freund oder die beste Freundin sind der sicherste Weg, um zumindest farblich das gut gehütete Geheimnis des Brautkleides zu lüften. Denn hat sich die Herzensdame für einen Traum in cremeweiß entschieden, sieht ein blauschimmernder Anzug daneben entsetzlich aus, ebenso ein reinweißes Männerhemd. Und das sieht man dann jahrzehntelang auf dem Hochzeitsfoto im Wohnzimmer.

Das Wort Hemd kommt vom mittelhochdeutschen Begriff „Hemedi“, das bedeutet Haut. Es sollte also so gut wie eine zweite Haut sitzen, sich angenehm tragen und nirgends kratzen. Der Zukünftige trägt am besten eines mit verdeckter Knopfleiste, Klappkragen und Manschetten am Armabschluss. Es sollte ein bis zwei Zentimeter unter dem Jackett- Ärmel herausragen – und bitte gut gebügelt sein! Auch falls der Göttergatte eine ausgeprägte Vorliebe für Unterhemden aus Feinripp an den Tag legt – heute nicht. Keine Frau möchte das Gefühl haben, einen verschwitzten Lastwagenfahrer zu ehelichen.

Um den Hals ein Plastron

Sich zum Hochzeitstage etwas Feines um den Hals zu binden, ist nach wie vor unumstößlicher Dress Code. Der Trend geht im Moment zum Plastron: zu sehr breiten, beinahe schon tuchähnlichen Krawatten, die unter dem Hals mondän gerafft werden können und so gar nichts mehr von dem auf die Körpermitte zeigenden Pfeil eines „normalen“ Binders an sich haben. Das Plastron endet deutlich über dem Hosenbund. Wen das zu sehr an einen Schlossherren erinnert, der greift zur Krawatte. Sie sollte im Manhattan-Knoten gebunden werden, und nicht im Bank- und Versicherungsgewerbe üblichen Windsor-Knoten, und die obere Gürtelkante minimal berühren. Meist kann der Vater des zukünftigen Ehemanns beim Binden sein Können unter Beweis stellen, denn die meisten Herren sind damit heutzutage überfordert.

Eine Fliege ist hier die einfache und elegante Alternative: Hinter dem Hals zusammenklicken und fertig. Nur auf eines sollte der Mann achten: niemals eine schwarze Fliege zum Frack zu tragen. Das bedeutet akute Gefahr, mit dem Oberkellner verwechselt zu werden! Festlich ist ein weißes Seideneinstecktuch in der Brusttasche, noch romantischer eine weiße Chrysantheme im Knopfloch. Blumenanstecker (auch „Corsage“ genannt) werden vom Bräutigam aus gesehen ans linke Revers gesteckt.

Schwarze Kniestrümpfe sind übrigens eine Investition unter 20 Euro die sich durchaus lohnt. Auch der Bräutigam sitzt ab und an, und da möchte man nicht in den Anblick einer behaarten Männerwade versinken. Auch der Angewohnheit, sich alles einfach in die vielfach vorhandenen Taschen zu stopfen, sollte man heute eine entschiedene Absage erteilen – Handy, Zigaretten oder Schlüsselbund haben in den Taschen des Hochzeitsanzuges nichts zu suchen. Dafür gibt’s die große Handtasche der Mama. Die sich wahnsinnig freut, wenn ihr Lieblingssohn alle halbe Stunde zu ihr bzw. ihrer Tasche kommt.

Und in welchen Schuhen schreitet der Auserwählte mit seiner Liebsten zum Altar? In faltenlosen, aber bereits eingelaufenen Schuhen mit Ledersohle. Die Lieblings-Sneaker müssen heute definitiv im Schrank bleiben, und die schwarzen, bequemen mit der quietschenden, dicken Gummisohle, die sich so gut für Messebesuche eignen, ebenso.

So wird der Bräutigam zumindest schon mal optisch zum echten Märchenprinzen – und bleibt es hoffentlich nicht nur für diesen einen Tag! 


Bildquelle: Bogdan Sonjachnyj